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Sebastian Schneider
Medienwirt, Producer und sich nicht zu schade, Technik aufzubauen. Gerne mal Ihr Mann an der Liveregie.

Viadrina Debate – Was ist Arbeit wert?

Wie verändert sich die Arbeit in unserer Gesellschaft gegenwärtig und in der Zukunft? Mit dieser grundlegenden, aber hochaktuellen Frage startete die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) in das Sommersemester 2026. Bei der traditionellen Viadrina Debate diskutierten hochkarätige Gäste im vollbesetzten Saal vor allem über eines: die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz von Beschäftigung in Zeiten des Wandels.

Unter der Moderation des Publizisten und Politikberaters Mads Pankow entwickelte sich ein lebendiger, durchaus kontroverser Austausch zwischen dem SPD-Politiker Kevin Kühnert und der Viadrina-Professorin Dr. Jana Costas.

Eine Frage der Macht und Anerkennung

Dass es bei der Diskussion um weit mehr als um theoretische Wirtschaftsmodelle ging, wurde schnell klar. Wer bestimmt eigentlich, was eine Leistung wert ist? Ist es der freie Markt, lenkt der Staat ein oder sind es die Beschäftigten selbst? Für die Diskutanten ist die Debatte um Löhne, Arbeitszeiten und Wertschätzung am Ende immer auch eine gesellschaftliche Gestaltungsfrage.

„Das ist keine theoretische Debatte, das wissen wir alle. Es ist schlicht und ergreifend eine Machtfrage, denn wer definiert eigentlich den Wert von Arbeit – ist es der Markt, ist es der Staat, sind es wir vielleicht?“Aus der Eröffnung

Für Kevin Kühnert hängen der Wert von Arbeit und die Frage nach sozialer Gerechtigkeit untrennbar zusammen. Er machte deutlich, dass es in der politischen Realität oft zu harten Verteilungs- und Interessenkonflikten kommt, wenn es darum geht, Arbeit fair zu entlohnen.

„Klassenkampf, das wirkt ja mal so ein bisschen weit weg, auch historisch weit weg und vielleicht auch sozial weit weg. Klassenkampf, das ist eigentlich immer das, was andere betrifft. Aber am Ende stellt sich genau in beiderlei Hinsicht die Frage: Was ist Arbeit eigentlich wert? Wie verändern neue Formen der Organisation von Arbeit den Wert von Arbeit? Wie steht Arbeit eigentlich im Verhältnis zu Lohn, zu Kapital, zu Anerkennung?“Kevin Kühnert

Der Mensch in Zeiten von KI und digitalem Wandel

Ein besonders intensiv diskutierter Schwerpunkt war der Einfluss von neuen Technologien und Künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt. Geht es Unternehmen nur noch darum, durch KI Stellen einzusparen, oder lässt sich Technologie partnerschaftlich begreifen? Professorin Jana Costas warnte vor einem zu einfachen, rein technischen Blick auf die Zukunft und betonte die Verantwortung der Anwendenden.

„Technologie ist nicht einfach Technologie. Oft auch in Unternehmen erlebe ich das, wird sehr deterministisch von Technologie gesprochen. Da heißt es: ‚Oh, wir müssen das jetzt nur einsetzen, dann brauche ich nicht mehr so viel Leute, dann kann ich ein paar Leute entlassen.‘ Es kommt auch drauf an, wie wir die Technologie benutzen, wie wir sie einsetzen, wie wir sie verstehen.“Prof. Dr. Jana Costas

Gerade in Zeiten, in denen Sprachmodelle wie ChatGPT Einzug in den (akademischen) Alltag halten, sieht Costas die Kernaufgabe von Bildungseinrichtungen vor allem darin, den menschlichen Verstand zu schärfen.

„Ich glaube, dass wir als Universität kritische Urteilsfähigkeit genau in dieser Interaktion zwischen Mensch und Maschine, die weiterhin relevant werden wird, fördern müssen.“Prof. Dr. Jana Costas

Fazit und Ausblick

Die Viadrina Debate hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der öffentliche, wissenschaftliche Diskurs für reale, regionale Veränderungen ist – gerade in einer Region wie Ostbrandenburg, die sich mitten im Strukturwandel befindet. Nach dem offiziellen Teil ging die Debatte beim anschließenden Networking und der Eröffnung des neuen schuleigenen Coworking-Spaces in die praktische Verlängerung.

Die vollständige Diskussion und alle Argumente zur Zukunft der Arbeit können Sie im YouTube-Video der Europa-Universität Viadrina in voller Länge nachverfolgen.