Neues Normal auf zwei Rädern: Die Fahrradwirtschaft zeigt sich krisenfest
Die Zeiten sind wirtschaftlich herausfordernd, und während andere Industrien derzeit herbe Rückschläge einstecken müssen, zieht die deutsche Fahrradbranche ein bemerkenswertes Fazit: Der große Corona-Boom mag vorbei sein, doch der Markt hat sich auf einem stabilen, hohen Niveau eingependelt. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz der drei zentralen Verbände der Fahrradwirtschaft (ZIV, Zukunft Fahrrad und VSF) wurden die Marktdaten für das vergangene Jahr vorgestellt. Das klare Signal: Das Fahrrad bleibt das führende Rückgrat der Mobilitätswende.
Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick
E-Bikes als treibende Kraft: Der Bestand an E-Bikes auf deutschen Straßen ist auf beeindruckende 17,2 Millionen angewachsen. Damit stellt die Fahrradbranche mit Abstand die größte und erfolgreichste Elektro-Fahrzeugflotte der Republik.
Dienstrad-Leasing boomt weiter: Fast jedes zweite verkaufte hochwertige Fahrrad oder E-Bike wird mittlerweile über ein Leasingmodell finanziert. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen holen hier stark auf.
Der neue Trend – Refurbishment: Der Markt für professionell aufbereitete, gebrauchte Leasing-Rückläufer mit Garantie wächst rasant. Die Nachfrage ist so hoch, dass die Angebote auf den Plattformen meist sofort vergriffen sind.
Werkstätten als Retter des Fachhandels: Während der reine Fahrradverkauf im Fachhandel ein leichtes Umsatzminus verzeichnete, boomt das Service- und Werkstattgeschäft mit einem satten Plus von über 13 Prozent.
Stimmen von der Pressekonferenz
Wie widerstandsfähig die Branche trotz Konsumkrise agiert, brachte Burkhard Stork, Geschäftsführer des ZIV (Die Fahrradindustrie), prägnant auf den Punkt:
„Es gibt keine Megakrise, keine Mega-Absatzkrise. Wir verkaufen stabil das an Rädern, was wir immer verkauft haben, haben den E-Bike-Anteil massiv erhöht und schlagen uns deswegen wacker. Ich glaube, wir sind sehr viel resilienter als andere Industrien.“
Besonders das Thema Dienstrad-Leasing erweist sich in wirtschaftlich unruhigen Zeiten als stabiler Anker. Wasilis von Rauch, Geschäftsführer des Verbands Zukunft Fahrrad, betonte dabei die Vorteile für die Verbraucher, bei denen längst nicht mehr nur der finanzielle Aspekt zählt:
„Der wichtigste Grund ist, dass die Wartung und der Service inklusive sind. (…) Man sieht, dass diese Idee – ich muss mich um nichts mehr kümmern, ich habe das Fahrrad, ich muss nicht so einen großen Haufe auf einen Schlag bezahlen – schon sehr attraktiv ist.“
Auch die zunehmende Professionalisierung des Gebrauchtmarktes durch das sogenannte “Refurbishment” wird als großer Gewinn für die Qualität auf den Straßen gewertet. Von Rauch ergänzte dazu:
„Wir holen mit dem Refurbishment mehr Qualität, mehr Transparenz in den Markt und wir holen auch noch mal eine bestimmte Zielgruppe aus einem Segment des Marktes raus, wo wir eigentlich gerne generell weniger Nachfrage hätten.“
Fazit
Der Fahrradmarkt bewegt sich weg von den extremen Ausschlägen der Pandemie-Jahre und hin zu einer gesunden, nachhaltigen Stabilität. Hochwertige Mobilität, erstklassiger Service im Fachhandel und innovative Finanzierungsmodelle sorgen dafür, dass die Fahrradwirtschaft ein verlässlicher Garant für die Verkehrswende und regionale Beschäftigung bleibt. Die Zeichen für die Zukunft stehen – trotz vorsichtiger Erwartungen im Handel – weiterhin auf Grün.