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Sebastian Jabbusch
Sebastian Jabbusch ist Gründer und Geschäftsführer. Seit 2015 ist er Berater für Social Media Kommunikation. Ende 2018 startete er mit easylivestream einen Service für günstige Livestreams "for the rest of us".

25 Jahre Wikipedia: Ein Blick hinter die Kulissen des „letzten besten Ortes im Internet“

Anlässlich des bevorstehenden 25. Geburtstags der Wikipedia im Jahr 2026 lud Wikimedia Deutschland am Vorabend der 31. Mitgliederversammlung zu einem ganz besonderen Abend ein. Unter dem Motto „25 Jahre Wikipedia – 25 Jahre ehrenamtliches Engagement“ blickten langjährige Aktive (sogenannte „OGs“) auf ihre persönlichen Anfänge, die Meilensteine und die Herausforderungen des wohl größten von Menschen geschaffenen Wissensschatzes zurück.

Die Veranstaltung machte eines unmissverständlich klar: Hinter den rund 65 Millionen Artikeln weltweit stehen keine anonymen Algorithmen, sondern eine leidenschaftliche, lebendige und zutiefst menschliche Community.

Das Versprechen des Internets – echt eingelöst

Franziska Hein (geschäftsführende Vorständin von Wikimedia Deutschland) eröffnete den Abend mit beeindruckenden Zahlen. Sie betonte, dass die Wikipedia das ursprüngliche Versprechen der 2000er-Jahre – freien Zugang zu Informationen für alle zu ermöglichen – ganz real umgesetzt habe. Seit Kurzem sind Wikipedia und Wikidata sogar offiziell als digitales öffentliches Gemeingut („Digital Public Good“) anerkannt .

In einer von Emily Lim moderierten Talkrunde erzählten vier Urgesteine der deutschsprachigen Wikipedia-Community von ihrer jahrzehntelangen Reise.

Von Meilensteinen und dem Aufwand exzellenter Artikel

Nina, die bereits seit 2004 aktiv ist und damals durch Zufall den exakt 100.000sten Artikel der deutschsprachigen Wikipedia verfasste, sprach über den Wandel des Mitschreibens. Während man früher „einfach zum Regal ging, das Lexikon herausholte und ein paar Fakten zusammentrug“, gleicht die Arbeit heute einer wissenschaftlichen Abhandlung:

„Die Anforderungen sind so hoch inzwischen, dass ich […] inzwischen Wochen brauche, bis ich genug recherchiert habe. Und es fühlt sich an wie Hausarbeiten schreiben für die Uni.“Nina

Die Magie der weltweiten Bewegung und menschliche Begegnungen

Dass Wikipedia weit mehr ist als Code und Textwände, verdeutlichte Lyzzy. Sie engagierte sich früh auf globaler Ebene im Board of Trustees der Wikimedia Foundation. Für sie lebt das Projekt von den echten, oft emotionalen Begegnungen auf internationalen Konferenzen wie der Wikimania:

„Was einem dabei immer in Erinnerung bleibt, das ist eigentlich, wie viele Leute sich dabei in die Arme fallen und zwar halt auch wiederum völlig unabhängig davon, woher sie kommen.“Lyzzy

Von der „Folklore“ der Admin-Wahlen und kleinen Streitereien

Daniel, der seit 2003 im Hintergrund unermüdlich Verwaltungsarbeit, E-Mail-Support und Qualitätssicherung betreibt, gab amüsante Einblicke in die Diskussionskultur. Ob man sich nun tagelang darüber streitet, ob es „amerikanisch“ oder „US-amerikanisch“ heißen muss, oder wie genau Administratoren gewählt werden – für ihn gehört das zur Identität des Projekts:

„Bis jetzt hat jeder gesagt, das ist eine gewisse Folklore, dieses ganze, dieser ganze Prozess, und deswegen wird er eben nicht mehr so geändert.“Daniel

Auch Raymond, leidenschaftlicher Fotograf aus Köln, unterstrich die Bedeutung der Offline-Stützpunkte wie dem „Lokal K“, in dem wöchentlich gemeinsam gekocht, editiert und geholfen wird. Für ihn erwuchs die tiefste Motivation 2008 in Ägypten, als er im Austausch mit Menschen aus aller Welt begriff, wie unschätzbar wertvoll der zensurfreie Zugang zu Wissen in weniger privilegierten Ländern ist.

Die Zukunft: Menschliches Wissen vs. Wahrscheinlichkeitsmaschinen

Ein zentrales Thema des Abends war die Abgrenzung zu generativer KI. Die Community hat sich in einem klaren Meinungsbild gegen KI-generierte Inhalte in der Wikipedia ausgesprochen. In Zeiten von Social-Media-Algorithmen und Blackbox-Chatbots, die auf Profitmaximierung ausgelegt sind, bildet die werbefreie, quellengestützte Wikipedia den Gegenentwurf.

Der größte Wunsch der Community für die nächsten 25 Jahre? Neue, insbesondere junge Autorinnen und Autoren zu gewinnen. Denn um es mit den Worten eines englischsprachigen Freiwilligen zu sagen, die Franziska Hein zitierte: „We want a world in which knowledge is created by humans“ – Wir wollen eine Welt, in der Wissen von Menschen geschaffen wird.

Den vollständigen Mitschnitt der Jubiläums-Talkrunde inklusive der anschließenden Q&A-Session mit dem Publikum gibt es auf YouTube zu sehen: Die Wikipedia wird in diesem Jahr 25. Das muss gefeiert werden!.